Das Dienstleistungszentrum

Im Radio gibt es eine ausgesprochen interessante Werbung des KSV. Für alle die es nicht wissen, das ist der Kreditschutzverband. In dieser Werbung wird darauf verwiesen, dass es im Business viele verwirrende Abkürzungen gibt. Dazu zählen unter anderen eben auch der KSV, so die Werbung. Dieser sei aber am wichtigsten. Ich bin nicht dieser Meinung, das ist jedoch sicherlich Ansichtssache und hier nicht das Thema.

Ich widme mich im heutigen Artikel dem DLZ, also dem AGH oder auch HFU genannt. Bahnhof? Schlecht wenn Sie Unternehmer sind. Erst einmal vorweg ein paar Abkürzungen und was dahintersteht.

AGH          Auftraggeberhaftung

DLZ           Dienstleistungszentrum

HFU        Wofür das steht habe ich im Internet nicht gefunden. Möglicherweise Haftende Unternehmen. Fakt ist, es gibt eine Liste. Ist ein Unternehmen darauf gelistet, darf ich diesem den gesamten Werklohn bezahlen. Ist es nicht gelistet, muss man 25% an die GKK zahlen.

 

Online steht übrigens die WGKK (Wiener Gebietskrankenkasse). Ist eine Überweisung jedoch unschlüssig, wird man von der OÖGKK (Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse angeschrieben). Relativ ruppig und unhöflich und somit der Grund meines Artikels. Dazu aber später mehr.

 

Zwei, beziehungsweise drei neue Abkürzungen:

GKK           Gebietskrankenkasse

WGKK        Wiener Gebietskrankenkasse

OÖGKK      Oberösterreichische Gebietskrankenkasse

 

Glauben Sie mir, das waren nicht die letzten Abkürzungen.

 

Also, bei jeder Rechnung die ich von einem Subunternehmer oder Professionisten bekomme, prüfe ich ob dieses Unternehmen auf der HFU Liste gelistet ist. Ist dem so, weise ich 100% des Werklohns (exkl. USt.) an. Ist dem nicht so, weise ich lediglich 75% des Werklohns (exkl. USt.) dem Unternehmen an. 25% gehen an das DLZ. Um es zu präzisieren, 20% gehen als Sozialversicherungsbeitrag und 5% als Lohnabgaben dort hin. In Summe somit 25%. Die sind für das Unternehmen natürlich nicht verloren. Denn diese Abgaben kann das Unternehmen zurückfordern oder eben gleich als Gutschrift für diese Abgaben stehen lassen und gegenverrechnen.

Ganz unbedenklich ist es übrigens nicht. Denn auf dieser Liste stehen nicht nur Unternehmen die mit ihren Abgaben im Rückstand sind, sondern auch Unternehmen, die keine Mitarbeiter haben und Unternehmen die noch nicht drei Jahre alt sind. Aber auch Firmen, die einfach nicht gemeldet haben, weil sie sehr selten im B to B Bereich tätig sind. Mir ist durchaus bewusst, dass ein Beamter der niemals in der Situation war Lieferanten und Mitarbeiter zahlen zu müssen nicht versteht, dass man insbesondere in den ersten Jahren der Selbständigkeit etwas Jonglieren muss mit den monetären Mitteln. So fehlen diese Gelder oftmals temporär. Aber gut, was soll man schon erwarten können von einer maroden Krankenkasse. (siehe Medienberichte [1])

Übrigens, es gibt keine gesetzliche Verpflichtung diese 25% abzuführen. Gesetzlich muss ich nicht prüfen und auch nicht an das DLZ zahlen. Ich kann immer 100% an das Unternehmen zahlen. Das kann und darf nicht sanktioniert werden! Geht das Unternehmen jedoch in Konkurs, muss ich diese 25% nachzahlen an das DLZ. Auch wenn ich dem Unternehmen alles bezahlt habe. Das ist dann schon wieder Gesetz! Kurz gesagt, wenn ich mir die Mühe nicht antue zu schauen und der Subfirma 100% zahle, diese jedoch nicht geleistet ist und diese dann in Konkurs geht, muss ich zusätzlich zum vollen bezahlten Werklohn nochmals 25% an das DLZ zahlen. Somit sind wir dann auf 125% des geforderten Werklohns.

Im Grunde nimmt man dem werkleistenden Unternehmen die komplette Selbstverantwortung ab. Das Unternehmen ist nicht mehr berechtigt zu entscheiden wann es welche Gelder wo einsetzt, sondern ist temporär gebunden. Das dies die Bonität und wirtschaftliche Stärke eines Unternehmens deutlich beschädigen oder dezimieren kann ist wohl logisch. Natürlich gibt es immer wieder schwarze Schafe bei den ein derartiges Vorgehen gerechtfertigt ist. Aber insbesondere bei neuen Unternehmen die frisch starten und somit ums Überleben kämpfen, ist eine derartige Vorgansweise einfach nur ruinös. Ähnlich verhält es sich bei EPU’s denen zieht man die 25% ebenfalls ab. Obwohl die Sozialabgaben nur für den Unternehmer selbst zu entrichten sind und somit diese 25% deutlich übersteigen müssen und auch buchhalterisch falsch verbucht werden.

Jede Woche bekomme ich Drohanrufe von verwirrten oder verärgerten Firmen. Denen ich dann mühevoll erklären muss worum es geht. Was ich absolut nachvollziehen kann. Gerade wenn man mit seinem Business startet, ist es sehr schwierig. Man hat Ausgaben für Geräte und Material. Meist ist man noch wo anders angestellt oder lebt von Ersparnissen bis sich alles etabliert hat. Da fehlen die 25% enorm! Da hilft es auch nicht, wenn man diese zurückfordern kann. Denn das dauert. Sind alle Angaben bei der Überweisung durch die zahlende Stelle richtig angegeben worden, dann ist das Geld nach 2 – 3 Wochen verfügbar. Wenn nicht kann es Monate dauern. Totes Kapital also welche der wirtschaftlichen Stabilität des empfangenden Unternehmens fehlt!

Übrigens bei den Angaben auf der Überweisung gibt es wieder folgende Abkürzungen:

AGHAG, AGHAN, ANUID ATU, REDAT, RENR

 

Neue Abkürzungen aus diesem Absatz:

USt.                   Umsatzsteuer

B to B                Business zu Business

EPU                   Einpersonenunternehmen

AGHAG             Auftraggeberhaftungsnummer Auftraggeber

AGHAN             Auftraggeberhaftungsnummer Auftragnehmer

ANUID              Auftragnehmer Umsatzsteueridentifikationsnummer

ATU                   Österreichische Umsatzsteuernummer

REDAT               Rechnungsdatum

RENR                 Rechnungsnummer

 

Nein diese Abkürzungen habe ich mir nicht ausgedacht. Diese Abkürzungen hat mir das DLZ mehrfach per Mail mitgeteilt.

 

Also gut, diese Angaben sind zu finden. Im Idealfall stehen diese auf der Rechnung bereits drauf. Ist man selbst ein EPU und hat noch nicht Mitarbeiter gemeldet gehabt, hat man selbst keine Nummer. Ist man dann selbst vielleicht noch Kleinunternehmer, hat man auch keine UID Nummer. Vice versa gilt das auch für den Subunternehmer.

Dann sind die erforderlichen Angaben doch nicht so leicht zu finden? Sind sie tatsächlich nicht! Schwierig wird es auch wenn eine Person mehrere Firmen hat und eines davon ein e.U. und das andere ein GmbH ist. Denn das DLZ löscht gelöschte Firmen nicht heraus! Mach die Sache natürlich ungemein einfacher. Findet man gar keine Nummern, kann man auch noch die Sozialversicherungsnummer des Geschäftsführers angeben. Sofern der diese herausrückt.

Fakt ist, dass man, wenn man wie ich monatlich mehrere Überweisungen macht an das DLZ, zumindest 2 – 3 x eine Rückmeldung bekommt, dass die Überweisung nicht zuordenbar ist. Meistens weil eine Nummer nicht passt, eine Nummer nicht vorhanden ist aber auch aus anderen Gründen.

Höflich aber doch habe ich daher mal angefragt, da ich ja die Arbeit der GKK damit mache, wo ich denn mein Honorar hinschreiben dürfte. Immerhin kostet jede Überweisung Geld und jede Abfrage und Bearbeitung Zeit. Meine Anfrage diesbezüglich blieb eher Antwortlos. Gut, ich bekam Floskeln zu hören, dass ich ja nicht müsste, dies aber mein Risiko wäre usw.

Man stelle sich vor eine kleine Firma wie ich mit wenigen Mitarbeitern die jedoch aufgrund umfangreicher Subvergaben recht passable Umsätze macht, muss jemanden abstellen, der sich um Angelegenheiten der BUAK, des DLZ, des FA, der Behörden und sonstiger unproduktiver Rechtsträger kümmert, weil diese dies nicht mehr selbst machen können oder wollen. Mir erstattet diese Zeit niemand! In einem Konzern fallen die Kosten einer unproduktiven Person, welche sich um derartiges kümmert nicht auf. Bei mir schon, denn meine Arbeitskraft fehlt. Und ja ich bin mittlerweile über 50% meiner Zeit mit Bürokratie beschäftigt. Somit muss ich meinen Kunden für die produktive Zeit höhere Aufschläge verrechnen. Dies macht mich wieder wesentlich Wettbewerbsunfähiger.

Ich bin mir nicht sicher ob Organisationen wie DLZ und BUAK sich bewusst sind, dass Sie damit Arbeitsplätze vernichten oder ob dies zu Gunsten der Konzerne gewünscht ist.

Ich hoffe wirklich, dass sich die kleinste, aber mächtigste Wählerschicht in einem Land in dem wir deutlich über 50% Steuern zahlen, bald erhebt. Das wäre kein Bürgerkrieg, es wäre ein Finanzkrieg, den der Staat verlieren würde. Selbst wenn er nur 7 Tage dauert. Denn Fakt ist, dass wir Unternehmer immer noch 100% aller Steuern generieren. Die Konzerne werden da auch nicht helfen, denn ich weiß ja nicht ob es der Politik schon aufgefallen ist, die Zahlen in Österreich kaum Steuern.

 

Neue Abkürzungen

BUAK                Bauarbeiter Urlaubs- und Abfertigungskasse

e.U.                   eingetragenes Unternehmen

GmbH              Gesellschaft mit beschränkter Haftung

FA                     Finanzamt

 

Kurzer Exkurs zu den Steuern:

 

Man nehme mal an ich habe als Firma 100 Euro Gewinn gemacht. Dann habe ich nicht 100 Euro Gewinn gemacht, sondern eigentlich 120 Euro denn 20 Euro durfte ich bereits an Umsatzsteuer abführen. Einwand Vorsteuerabzugsberechtigt, lasse ich nicht gelten, denn wenn ein Gewinn ausgeworfen wird kann es für den Teil nur bedingt Vorsteuer gegeben haben.   

Von diesen 100 Euro darf ich dann noch 25 % KöSt abführen.

Reduziert den effektiven Gewinn auf 75 Euro

Davon darf ich dann noch 27,5 % KeSt abgeben

Somit landen wir bei 54,38 Euro

Und dann, was die Meisten vergessen kommt noch die Sozialversicherung. Nehmen wir mal 15% an was sicherlich eher tiefgestapelt ist.

Bleiben noch 46,22 Euro übrig.  

 

Rechnerisch, wir gehen von 120 Euro brutto aus, sind das 38,52% was Ihnen vom Gewinn übrigleiben. Oder anders herum es werden Ihnen 61,48% an Steuern abgezogen.

Da frage ich mich ernsthaft, warum ich Aufgaben von solchen Organisationen übernehmen soll, die aus meinen Steuergeldern finanziert werden.

Und ich frage mich auch, warum ich nicht in ein angrenzendes EU-Land auswandere in dem ich niedrige sogenannte Flat Tax Abgaben zahlen muss auf Gewinne.

 

 

Ihre

DI Robert Peterlik GmbH

 

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