Messbare Ziele definieren

 

Wenn man plant sich selbstständig zu machen, sprich den ersten Schritt in Richtung Unternehmertum zu wagen, dann erlegt einem der Staat doch beträchtliche Aufgaben auf. Abgesehen von der persönlichen Qualifikation die man mit einer Meisterprüfung oder Befähigungsprüfung erlangen muss, Steuernummern anfordern, Formular ausfüllen, Anmeldungen durchführen, sich auf Verlässlichkeit prüfen lassen und vieles mehr.

Interessant in diesem Zusammenhang, dass nur ein geringer Anteil an Anwärtern auf die Selbstständigkeit auch die Unternehmerprüfung per se ablegen müssen. Eine Ausbildung die neben dem fachlich erforderlichen Wissen auch das ökonomische Basiswissen vermittelt. Meine Frau hat diese Prüfung gemacht und ich muss zugeben ich war von der Qualität positiv überrascht. War diese Prüfung doch vor einigen Jahren noch verpönt und als wischiwaschi Alibiprüfung abgetan, vermittelt sie nun doch einiges an brauchbarem Wissen. Umso interessanter, dass viele Menschen die den Start in die Selbstständigkeit wagen, diese Prüfung nicht benötigen. Z.B.: Studienabsolventen können meist darauf verzichten. Aber auch HTLer oder Meister. Bei Letzteren sei angemerkt, dass die Ausbildung meist in der Meisterprüfungsausbildung inkludiert ist.

Ein Thema über das sich jeder angehende Unternehmer jedoch vorab Gedanken machen sollte, sind die Ziele auf die er hinarbeitet.

Ziele sind immer messbar. Die einfachste Messung ist immer, erreicht oder nicht erreicht. Aber welche Ziele sollte man anstreben?

Setzt man Ziele zu hoch, spielt der Geist nicht mit und denkt sich sowieso das erreiche ich nie. Setzt man Ziel zu niedrig läuft man Gefahr diese zu vernachlässigen.

Die richtigen Ziele zu setzen ist oftmals gar nicht so einfach. Die Parameter müssen stimmen wie auch die Machbarkeit.

Es hat kaum Sinn beim Start eines online Handelsunternehmens zu sagen, binnen 6 Monaten überhole ich Amazon. Es hat aber durchaus Sinn zu sagen binnen 6 Monaten überhole ich Amazon in Österreich mit der Versendung von Fachliteratur im Bereich Bauwesen.

Immer noch ein hohes Ziel, aber erreichbar wenn man es möchte. Aus welchen Gründen auch immer.

Was ist also das richtige Ziel? Das ist so nicht zu beantworten würde ich sagen. Viele Förderstellen wie das Gründerservice der WKO fordern einen sogenannten Businessplan. Darin soll der zukünftige Selbstständige definieren was die Ziele für die nächsten 1 – 3 Jahre sind. Jene Zeitspanne ab Gründung in der die meisten Unternehmen Konkurs anmelden wohl gemerkt. Ich selbst unterstütze immer wieder bei der Erstellung von Businessplänen und berate gerne bei Gründungen. Jeder ist jedoch Individuell. Jeder hat einen anderen Zugang zum Gewerbe. Auch der finanzielle Hintergrund ist immer ein Thema. Wo wir meiner subjektiven Meinung nach beim Kernthema angelangt sind!

Nehmen wir an sie wollen eine Onlinehandel eröffnen. Zwecks der Einfachheit hier als Beispiel nur mit einem Produkt. Dieses Produkt kaufen Sie bei einem Großhändler oder Produzenten in China zu.

Dann sollten sie sich mal erkundigen ob sie das Produkt einführen dürfen wenn ja, ob es in Österreich auch zugelassen ist. Dies aber nur als kleine Randbemerkung.

Annahme das Produkt kostet sie 1 Euro pro Stück. Um wie viel müssen Sie es verkaufen?

Ihre Kosten sind neben dem Produktpreis auch der Versand und eventuelle Einfuhrsteuern. Weiter haben sie eventuell Kosten in der Adaptierung. Jedenfalls aber im Versand. Weiter werden Kosten für Internetauftritt, Versicherung, Reklamation und Marketing und Werbung anfallen.

Sollten Sie Bedarf haben rechne ich gerne ein Beispiel mit Ihnen durch. 

Nehmen wir an, alles in allem kommen sie auf 3 Euro je Stück. Dann ist das immer noch nicht der Verkaufspreis. Jetzt geben Sie noch Wagnis und Gewinn dazu womit wir bei 3,5 Euro angekommen wären. Dann noch 20% Umsatzsteuer drauf und fertig ist ihr Produktpreis von 4,20 Euro bei einem Gewinn von sagen wir 0,25 Euro netto (ohne Steuer).

Jetzt sollten Sie sich messbare Ziele setzen.

Wie viel Stück muss ich am Tag verkaufen um eine Lebenserhaltungskosten decken zu können?

Oder

Wie viel Stück muss ich im Monat verkaufen um zumindest mein Gehalt zu verdienen welche ich als Angestellter hatte.

Nehmen wir mal an, sie hatten 1.500 Euro netto im Monat Gehalt. X 14 sind das 21.000 Euro im Jahr. Oder zurückgerechnet 1.750 im Monat. Denn als Selbstständiger haben sie kein Urlaubsgeld und kein Weihnachtsgeld.

Wenn Sie also zumindest wieder 1.750 Euro im Monat haben wollen, wie viel müssen sie dann verkaufen.

Falsch!

Es sind nicht 7000 Stück.

Nicht vergessen sie sind nun selbstständig! Somit dürfen Sie Ihre Steuern auch selber abführen. Je nachdem welche Unternehmensform sie gewählt haben. Gehen wir von einem Einzelunternehmen aus für das nächste Beispiel.

0,25 Stück Gewinn je verkaufter Einheit.

1.750 Euro / 0,25 Euro = 7.000 Stück

7.000 Stück sind somit 1.750 Euro Gewinn im Monat.

Im Jahr sohin 21.000 Euro

Bei 21.000 Euro im Jahr müssen Sie dann noch 35 % Steuern abdrücken.

21.000 – 35 % = 13650 Euro im Jahr /12 = 1137,50 Euro im Monat

Was immer noch nicht stimmt.

Denn sie dürfen ja auch noch Sozialversicherung bezahlen.

Gehen sie mal von 15% im Jahr aus.

13.650 waren es vorhin noch – 15% sind 11.602,50 Euro.

Nicht mehr viel oder?

Dividiert durch 12 sind das gerade noch 966,88 Euro im Monat.

Und kein Weihnachtsgeld und kein Urlaubsgeld.

Ich würde mal sagen sie müssen deutlich mehr verkaufen.

Bei 25 Eurocent Gewinn sollten es zumindest 15.000 Stk. Im Monat sein.

Achtung die Sozialversicherung sowie die Steuerkasse steigen mit dem Einkommen mit. Ausgenommen ist da nur die GmbH deren Steuersatz immer gleich bleibt.

Weiterführende Informationen zu den Einkommenssteuersätzen finden Sie unter: https://www.bmf.gv.at/steuern/selbststaendige-unternehmer/einkommensteuer/est-steuertarif.html

Weiterführende Informationen zur Sozialversicherung finden sie unter: https://www.selbststaendig-machen.at/rechner-sozialversicherung-und-einkommenssteuer-fuer-einzelunternehmer/

Mein Tipp, nehmen sie sich von Anfang an einen Steuerberater. Lassen sie sich durch einen Unternehmensberater bei der Gründung begleiten. Rechnen sie genau und setzen sie sich dementsprechende Ziele.

Das Ziel hier wäre das Einkommen was bis dato zur Verfügung stand nach drei Monaten Selbstständigkeit wieder zu lukrieren oder sogar leicht zu überholen. Wenn das funktioniert sofort das nächste Ziel setzen und nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Abschließend darf ich noch etwas zur Sozialversicherung und zum Wagnis sagen.

Es ist nicht nur Sozialversicherung zu bezahlen. Auch Kammerumlagen und eventuelle Kommunalsteuern sind zu entrichten. Sowie U-Bahnabgaben in Wien und viel andere versteckte Kosten. Diese Beispiele ist somit nur als Leitlinie anzusehen und muss im Bedarfsfall adaptiert werden.

Auch sei angemerkt, dass die Sozialversicherung eine Kröte ist. Zahlt man im ersten Jahr und eventuell auch im zweiten Jahr nur die Mindestbeiträge, muss man im dritten Jahr mit der Vorauszahlung in voller Höhe sowie mit einer saftigen Nachzahlung rechnen. Auch dies ist ein Grund warum die Lebenserwartung von Firmen oftmals nur 1-3 Jahr beträgt!

Das Wagnis soll einerseits Sicherheit bieten andererseits aber auch ein Puffer für eventuelle Nachlässe sein. Im Grunde sollte es sich langsam ansparen und für Notfälle aber auch Investitionen vorhanden sein ohne dass der Unternehmer immer auf den Gewinn greifen muss. Eine Sache deren sich nur wenige bewusst sind. Jedoch entscheiden sie ob sie Selbstständiger oder Unternehmer sind.

Wir beraten gerne

 

 

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