Ferndiagnose

Als Sachverständiger hat man es nicht immer leicht. Oft schicken Leute Fotos oder rufen an und erklären mir etwas. Daraufhin wollen Sie sofort und natürlich unverbindlich eine Stellungnahme mit der Sie natürlich zum Verursacher gehen und diesen belangen können.

 

Diese Woche hat um 23 Uhr mein Telefon geläutet, unter der Woche wohl gemerkt. Am Apparat ein aufgeregter Mann der mir eventuell recht konkrete Informationen vermittelt hat. Ich weiß es nicht, da er mich aus dem REM Schlaf gerissen hat und ich alles, nur nicht aufnahmefähig war.

Am nächsten Werktag hat er nochmals angerufen. Die Mitarbeiterin war etwas verwirrt als sie abgehoben hat, danach hat er mit mir geplaudert. Auch wenn er sich entschuldigt hat ist das eine etwas fragwürdige Art. Aber gut. Auf jeden Fall war der Herr sehr aufregt da ihm der Mietvertrag für seine Wohnung nicht verlängert wurde. Dazu kann ich am Telefon nichts sagen. Möglich ist hier, dass es einen befristeten Mietvertrag vorliegt und der Vermieter ohne Angabe von Gründen nicht verlängert. Was natürlich rechtens ist. Hat sehr danach geklungen, da der Anrufer meinte, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Alternativ wäre es möglich, dass sich der Mieter etwas zu Schulden kommen hat lassen und der Vertrag daher nicht verlängert wird. Eventuell besteht auch gerechtfertigter Eigenbedarf seitens des Vermieters. Ohne weiter Angaben kann ich das so nicht verifizieren. Das war jedoch nur das Sekundäranliegen des Anrufers. Im Grunde dürfte der Mieter wohl den Vermieter belangen wollen, weil es im Haus laut subjektiver Sicht des Mieters massive Mängel im Bezug auf den Brandschutz gibt.

Subjektiv daher, da der Herr sich auf Grund seiner ehemaligen und aktuellen Profession für fachkundig hält. Privatdetektiv heute und Maurer früher wie mir mitgeteilt wurde.

Das Haus hat 6 Wohnungen mit durchschnittlich 80m², somit in Summe 480m². Wenn ich jetzt in die OIB 2 Punkt 3.1.1. bzw. die Begriffsbestimmungen in Bezug auf die Gebäudeklassen ansehe ist eine Ferndiagnose unmöglich. Ich weiß nicht ob die Längsausdehnung von 60 m unterschritten wird. Ich weiß auch nicht in welche Gebäudeklasse das Haus fällt und somit kann ich nur bedingt Auskunft geben. Ich kann sagen, ja es ist wohl nicht Gebäudeklasse 1 und somit muss zumindest EI30 vormals F30 zumindest erfüllt werden. Aber mit Sicherheit kann ich gar nichts sagen. Was ich anmerken kann, ist, dass der Heizraum immer ein Brandabschnitt sein muss. Wobei hier wie bei vielen anderen Fragen welche sich auftun immer noch die essentielle Frage im Raum steht. Wie alt ist das Haus und unter welchen rechtlichen temporären Bestimmungen wurde es errichtet.

Denn der bewilligte Konsens gilt!

Egal wie alt das Haus ist, es gilt immer die Rechtslage zum Zeitpunkt der Bewilligung. Unabhängig ob es den Brandschutztechnikern dabei die Haare im Nacken aufstellt oder nicht.

Sie sehen also es ist nicht so einfach hier eine Diagnose abzugeben. Als Sachverständiger muss ich einen Lokalaugenschein durchführen, den bewilligten Konsens sichten und mit der Natur abgleichen und danach die Rechtslage zum Zeitpunkt der Bewilligung ausheben. Erst dann ist es mir möglich ein Gutachten zu erstellen.

 

Ein weiteres Beispiel, ebenfalls aus der gleichen Woche:

Ein Mitarbeiter schickt mir ein Foto welches er von einem Kunden erhalten hat. Darauf ist eine unverputzte Ziegelwand zu sehen, welche weiße Ausblühungen aufweist. Die Fragestellung meines Bauleiters: Das ist Salz oder?

Ja es könnte Salz sein, es könnte aber auch Schimmel sein, eventuell ist es auch Staubbelastung die durch außer Einwirkungen gebunden wurde.

Meine Empfehlung: Leck daran, wenn es salzig schmeckt sind es Salite Ausblühungen, wenn es grauslich schmeckt ist es Schimmel.

An Staub habe ich im ersten Moment gar nicht gedacht!

Bei einem Folgetelefonat wurde mir dann mitgeteilt, dass dahinter die Waschküche ist. Somit könnten es auch Seifenausblühungen sein oder wie im Fachjargon genannt Laugenausblühungen.

Auch hier ist eine Ferndiagnose nur bedingt möglich. Rechtsverbindliche Aussagen auf Grund einer Beschreibung oder eines Bildes kann ich nicht empfehlen und gebe ich auch nicht ab.  Es wäre nicht seriös und kann rechtlich erhebliche Folgen für den Gutachter haben.

 

Mir ist bewusst, dass wir Sachverständige mit unseren Honorarsätzen von gleich mal 150 Euro netto pro Stunde nicht billig sind, aber wir haben auch eine umfangreiche Ausbildung und müssen uns alle 5 Jahre rezertifizieren lassen um diese Berechtigung nicht zu verlieren. Dazu müssen wir Gutachten vorweisen und auch Schulungen. Wir haben auch Standesregeln nach welchen wir vorgehen müssen. Halten wir uns nicht daran führt dies zum Entzug der Berechtigung. Dies gilt auch dann, wenn wir die Sorgfaltspflicht vernachlässigen. Damit gemeint wäre, wenn wir eine Meinung abgeben auf Grund von Informationen über Dritte oder eben anhand von Bildern. Aber auch wenn wir Gefälligkeitsgutachten erstellen oder einfach nicht genau nachsehen oder messen, obwohl wir wissen, dass wir dies müssen.

Da unsere Aussagen und damit meine ich jene Meinung welche wir als „allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige“ von uns geben auch rechtsverbindlich ist und vor Gericht als Beweis zählt sind Aussagen unsererseits welche nicht auf fundierten Messungen und Besichtigungen fundieren als ausgesprochen gefährlich anzusehen.

Die Standesregeln können Sie auch unter http://www.gerichts-sv.at/standesregeln.html einsehen und selber nachlesen.

Ob jemand in der Liste der Sachverständigen aufscheint und für welchen Bereich können Sie hier nachsehen: http://suche.gerichts-sv.at/Default.aspx?LV=WNB&SV=W777221

 

Für weitere Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Übrigens der Mitarbeiter den ich aufgefordert habe daran zu lecken hat zuerst gefragt ob er das laut Dienstvertrag machen müsste. Natürlich nicht, sagte ich und wies ihn darauf hin, das wir PH Wert Streifen in der Firma haben mit welchen man eine Ersteinschätzung machen kann.

 

Ihr

Baumeister

Ing. DI(FH) Robert Peterlik MSc

Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0
Hier klicken um anzurufen


DI Robert Peterlik GmbH   

7201 Neudörfl, Hauptstrasse 18

Tel./Fax: +43 2622 77325 | office@perodast.at

FB: www.facebook.com/baumeister.peterlik  | Twitter: @RobertPeterlik  | Skype: r.peterlik | Instagram: robert_peterlik 

Ältere Blogbeiträge können Sie auf FB nachlesen oder auf Amazon sowie im Shop als E-Book bestellen.


So findet man uns


Jetzt neu! Das Buch zum Nachlesen

Was Sie als Bauherr wissen sollten!

Die gesammelten Werke 2016

des Blog von Baumeister Peterlik

Die gesammelten Werke 2017

des Blog von Baumeister Peterlik