Kostenfalle Einfamilienhaus

 

Der Traum vieler junger Familien ist es ein eigenes Haus zu besitzen. Der Traum von den eigenen vier Wänden dominiert das ganze Dasein und den Alltag. Auch von den Eltern, den Banken und der Gesellschaft an sich wird suggeriert, dass damit ein beständiger Wert geschaffen werden kann. Aber ist das wirklich so? In Wahrheit verpfänden junge Familien ihren Neubau, sofern überhaupt eine Finanzierung zustande kommt, auf mindestens 1/3 ihrer Lebenserwartung.

 

Kriterium 1: das liebe Geld.

 

Kaum eine Familie verfügt heute noch über ausreichende Eigenmittel um ein Grundstück zu kaufen und darauf den gewünschten Wohntraum ohne finanzielle Unterstützung zu realisieren. Also wird gespart und geschnorrt, eventuell geheiratet um Geldgeschenke lukrieren zu können und der Lebensstandard auf zwei Einkommen aufgebaut. Schafft man es dann die entsprechenden Eigenmittel aufstellen zu können geht es los. Verschuldet bis über beide Ohren werden Kostenvoranschläge eingeholt, über Eigenleistung philosophiert und Freunde und Familie zum Arbeitseinsatz genötigt. Jede freie Minute wird geschuftet und geackert.

 

Und dann? Tja dann passiert etwas in der Bauphase.

 

Kriterium 2: die Änderung des Familienstandes.

 

Naja das Haus wird ja in 6 Monaten fertig sein. Verheiratet ist man auch schon, denn das hat ja Bares in die Familienkassa gespült. Also warum nicht auch noch ein Kind. Das kommt dann zwar erst nach 9 Monaten aber aus meiner 17 jährigen Erfahrung in der Baubranche weiß ich, dass es immer in der Bauzeit zur Welt kommt. Dumm gelaufen, jetzt ist ein Kind da und das Haus ist nicht fertig. Die Miete in der Wohnung ist zu zahlen und die Kosten für den Bau aber auch die laufenden Kosten in Form von Kreditzahlungen laufen bereits. So ein Kind kostet, gerade in der Anfangszeit sehr viel Geld und zu allem Überfluss ist das Kindergeld / Karenzgeld deutlich weniger als das Einkommen welches die Gattin bis dato erhalten hat. Der karge Rest des vorhandenen Kreditrahmens wird nun zur Deckung der Lebenserhaltungskosten aufgebraucht.

 

Kriterium 3: es kommt immer anders und vor allem teurer als man denkt.

 

Denn im Zuge eines Hausbaues werden irgendwann die kostenlosen unverbindlichen Hände ausfallen. Dann muss man sich erst mal Fachpersonal bedienen das wiederum Geld kostet. Geld mit dem man eventuell zwar kalkuliert hat, aber in der Zwischenzeit anderwärtig benötigt hat. Auch dies führt wiederum zu finanziellen Engpässen. Mit anderwärtig verwendet meine ich übrigens nicht nur oben erwähnte unverhoffte Mehrkosten in Punkto Lebenserhaltung sondern auch die Tatsache des Konsums. Denn wer baut, hat eingetrichtert bekommen, du baust für die Ewigkeit. Was übrigens Schwachsinn ist. Ein alter Spruch unter uns Baumeistern lautet übrigens:

 

 

 

Das erste Haus baust du für einen Fremden.

 

                        Das zweite Haus für einen Freund.

 

                                Und erst das dritte Haus für dich selbst!

 

 

 

Ich garantiere da ist was dran. Aber zurück zum Thema. Viel Häuselbauer hatten noch nie zuvor, und werden es auch nie wiederhaben, die Möglichkeit über derartig viel (Kredit) Geld zu verfügen. Auch wenn im Vorfeld ordentlich kalkuliert wurde, kommen immer wieder unverhoffte Kosten zu tragen. Aber was noch viel wichtiger ist, man hat das Geld ja und braucht nicht so darauf achten. Da wird schnell mal auf teurere Fliesen gegriffen. Denn es ist ja für die Ewigkeit und die kosten ja fürs ganze Bad nur 250 Euro mehr. Ein fataler Fehler, der in Summe sehr ins Geld gehen kann.

 

Kriterium 4: ist die liebe Behörde.

 

Denn auch die will Geld haben. Insbesondere im Zuge der Fertigstellungsmeldung. Bis dato wurden ja nur Miete und Betriebskosten bezahlt. Aber irgendwie war das alles eins für einen Mieter der sich ja um nichts selber kümmern musste. Jetzt plötzlich will die Behörde ständig Geld haben. Zuerst mal beim Kauf der Liegenschaft, dann die Aufschließungskosten, die Anschlusskosten, dann natürlich diverse Gebühren und wenn alles fertig ist auch noch Kanalbenützung und Grundbesitzsteuer und wäre das noch nicht genug kommen dann auch noch Abgaben wie beispielsweise der Müllverband. Ganz abgesehen von Strom, Gas, Wasser, Telefon, Internet, etc. So ein Anschluss kann nahezu gratis sein, aber wenn der nächste Anschlusspunkt 10 m auf der anderen Straßenseite ist auch schon mal 35.000 Euro kosten.

 

Die Meisten, also alle, die sich nicht schon in der Bauphase trennen, entsprechend viel Kleingeld hatten oder haben um schuldenfrei zu bauen, sitzen nun irgendwann in einem nur teilweise fertigen und oftmals nur teilweise nutzbaren Haus mit einem Garten der das Wort nicht verdient und eher an eine Motorcross Bahn erinnert. Verschuldet bis über beide Ohren wird krampfhaft überlegt wie man nun die Fertigstellung soweit vorantreiben kann um in den Genuss der letzten ausständigen Fördergelder zu kommen. Tja schwierig, mit meist nur einem Einkommen. Und genau in dem Moment passiert es dann. Dann ist auch noch das Auto kaputt. Eine Reparatur in der Höhe von 5.000 Euro steht an. Die Goldmünzen des Juniors welche er zur Taufe bekommen hat sind auch schon versetzt, und es sieht nicht nach einem Lottogewinn in absehbarer Zukunft aus. Die Möglichkeiten sind, höflich formuliert, beschränkt. Nach Auswegen, wie Nebenjobs wird gesucht. Günstig erscheinende Konsumkredite ohne Bonitätsprüfung zu horrenden Zinsen werden aufgenommen. Die Schlinge zieht sich zu. Um staatliche Zuwendungen wird gefeilscht, Stichwort: Alleinverdienerabsetzbetrag. Und dann ist der alleinige Versorger plötzlich arbeitslos. Reserven sind keine mehr vorhanden. Die Zahlungen türmen sich. Plötzlich flattert noch eine vergessene offene Rechnung des Baumeisters herein. Kurz darauf beginnt es mit Mahnungen, dann mit Inkasso und am Schluss mit Pfändungen. Zwischendurch kommt auch die Bank, bei welcher man eventuell schon ein Aussetzen der Raten auf 3 – 6 Monate beantragt hat welche natürlich ebenfalls verstrichen sind.

 

In diesem Fall ist es dann meist so weit, dass die Emotionen hochgehen da junge Familien mit derartigen Situationen noch nie konfrontiert waren und damit nicht umgehen können. Laut Statistik kommt es, wenn nicht schon in der Bauzeit zur Scheidung.

 

Und da soll sich noch einer wundern, dass die Banken keine Finanzierungen mehr vergeben wollen. Die erhalten ein halb fertiges Haus müssen es irgendwie verwerten.

 

Aufhängen ist in dieser Zeit übrigens keine Option. Denn dann zahlt die verpflichtende Ausfallversicherung für die Bank auch nicht.

 

Gut die Frau ist weg, das Haus eine Bauruine, das Geld sowie der Job sind in weiter Ferne. Käufer findet sich keiner und die Bank sowie alle anderen Gläubiger, mittlerweile auch die Förderstelle der Landesregierung machen erheblichen Druck. Nicht mal das Auto fährt um sich irgendwo mit geschnorrtem Geld einen schönen Abend zumachen.

 

Na noch Lust ein Haus zu bauen? Glaubt mir auch bei Fertigteilhäusern und bei schlüsselfertigen Übergaben zum Fixpreis, sieht die Situation nicht viel anders aus. In meiner Karriere als Baumeister habe ich unzählige Einfamilienhäuser bauen dürfen und schon viel gesehen. Auch war ich schon oft als Sachverständiger und Liegenschaftsbewerter auf den Plan gerufen um Häuser entweder zu schätzen da sie veräußert werden sollen oder um Mängel für Preisminderungen zu suchen wo oft gar keine waren. In diesem Zusammenhang wurde ich bereits beschimpft und sogar bedroht. Mir ist durchaus bewusst, dass dies oft aus purer Verzweiflung geschieht, aber bitte ich wurde gerufen und mache auch nur einen Job. Natürlich durfte ich dann oft meinem Geld hinterherlaufen, da einfach nichts mehr für mein Honorar vorhanden war oder mir wurde unmissverständlich erklärt, dass ich nichts bekomme, da ich keine Mängel gefunden hätte oder zu wenige um auch nur mein Honorar herein zu holen.

 

Ein Sachverständiger bei der Mängelbeschau muss zumindest

 

sein Honorar hereinholen!

 

Völliger Schwachsinn! Ein Sachverständiger steht unter Eid und wird sich hüten, sofern seriös, eine Falschaussage zu tätigen. Mir ist das dann gleich, denn man glaubt es kaum, ich leben von meinem Job, ich schalte dann auch ein Inkasso ein und ende auf dem Pfändungsrang 38 von 44 Tendenz steigend. Ja es kam schon vor, dass ich für meine Arbeit nichts bekommen habe.

 

Meine Empfehlung daher, unbedingt eine ÖBA (örtliche Bauaufsicht) beauftragen und zwar bereits vor der Planung oder noch besser vor dem Grundkauf. Am besten eine die auch gleich plant. Die ÖBA holt Preise ein, plant euch das Gebäude durch, verhandelt Prise für euch, kümmert sich um alle Kosten und die Kontrolle, prüft die Leistung und weist daraufhin erst Gelder an.

 

Ja eine ÖBA kostet Geld. Aber es die Entscheidung jedes einzelnen Bauherrn selber zu entscheiden ob er sich mit 35 Baufachleuten verschiedener Gewerke und Firmen anlegen will oder ob er den Job einen Profi überlässt der wirklich Geld einspart und meist sein Kosten damit hereinbekommt.

 

Gern bieten wir ÖBA, Planung aber auch Beratung an wenn es schon sehr schlecht steht. Und natürlich auch Sachverständigenleistungen und Liegenschaftsbewertung.

 

Zum Abschluss noch etwas Eigenwerbung. Bestellen Sie jetzt das E-Book „Bauherrenausbildung“ oder buchen sie den Kurs im WIFI Eisenstadt „Bauherrn Kompaktseminar“

 

Lassen Sie es nicht so weit kommen.

 

Wir beraten gerne

 

DI Robert Peterlik GmbH

 

 

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