Baumeister im Wandel Teil II

 

Bereits im Jahr 2011 durfte ich über dieses Thema (http://www.bauforum.at/bauzeitung/baumeister-im-wandel-51996) in der Bauzeitung (http://www.bauforum.at/bauzeitung/) sprechen. Damals war die Thematik jedoch komplett kontrovers zu heute. Wir unterhielten uns über Bildungsstandards und Ausbildungen sowie über Befähigungen und Weiterbildungen. Mit keinem Wort kam auch nur einem von uns die Idee, dass die Rechte und Befugnisse eines Baumeisters in Zukunft einmal eingeschränkt werden könnten.

 

Heute sehe ich dies etwas anders. Der Baumeister ist eigentlich nur noch ein Relikt, ein Fossil aus vergangenen Tagen, dessen Lebenserwartung ständig schrumpft. Fraglich ist wie lange die allumschließende Befähigung des Baumeisters noch aufrecht bleiben kann oder wann dies eingeschränkt wird. Ohne Spezialisierung ist die Existenz am Markt heute schon sehr schwer geworden. Der klassische Baumeister der ausführt und 10 -100 Leute unterhält, stirbt einfach aus. Gründe dafür gibt es verschiedene.

 

1.   Die Normen- und Gesetzesflut: Nahezu täglich strömen neue Normen und Gesetze auf den Markt. Für den Baumeister der alles darf ist es eigentlich unmöglich geworden diese noch alles aufzunehmen und umzusetzen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Behörden diesem Ansturm an neuem Wissen nicht mehr gewachsen sind und oft verheerende Fehlinterpretationen bzw. Bescheide auf veraltetem Wissen die Folge sind. Unsere Politik und unser Bildungssystem sind ja auch der Meinung, dass eine Fachkraft bei weitem nicht alles wissen muss, aber wissen muss wo sie nachschauen kann. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob alle damit einverstanden sind, wenn ich schnell eine Entscheidung auf der Baustelle über Statik treffen muss, weil ein Träger abgerostet ist und ein Hang zu rutschen beginnt. Diesbezüglich bin ich mir auch 100% sicher, dass die Behörde im Nachhinein der Ansicht sein wird, dass ich das hätte wissen müssen.

 

2.   Unser tolles Bildungssystem trägt übrigens auch seinen Teil dazu bei. Fachwissen wird in unseren Schulen ja kaum noch unterrichtet, stattdessen hat man sich in den berufsbildenden Schulen auf allgemeine Fächer verlagert damit man die Zentralmatura übersteht. Da jedoch das Unterrichtsministerium der Ansicht ist, dass besser alle Schüler gleich dumm als einige besser und andere schlechter sein sollen, hat man auch die Allgemeinfächer drastisch beschnitten. So kam es, dass aus meinen 48 Wochenstunden in der HTL 5. Klasse Oberstufe die ich noch hatte nun nur noch 36 wurden. Fraglich ist somit was ein Unternehmer mit so einem Absolventen machen soll aber auch wie so eine Person in Zukunft die omnipotente Befähigungsprüfung zum Baumeister bestehen soll. Noch schlimmer ist es übrigens mit FH und UNI Absolventen. Die können in den meisten Fällen noch weniger als HTL Absolventen, fordern aber noch horrender Gehälter und werden sowieso mit dem Wissen auf den Weg geschickt, dass sie mit ihrer Ausbildung nicht nach einem Job suchen müssen sondern gleich beim Abschluss von einem Jobscout rekrutiert werden. Hier hat die Meisterprüfstelle übrigens reagiert und die Anrechnungen dieser Hochschulabsolventen drastisch reduziert. Es wurde einfach die Unfähigkeit und bitte ich habe selbst zwei Studienabschlüsse, ich weiß also wovon ich rede, der Absolventen erkannt. Mal abgesehen von der fachlichen Ausbildung, fehlt es allen Absolventen an wirtschaftlicher und politischer Bildung. Für zweiteres interessieren sich die Abgänger in den meisten Fällen gar nicht und für ersteres sehen sie keinen Bedarf bis sie die erste Rechnung eines Subunternehmers kontrollieren. Hier sei angemerkt, dass jeder HTL Absolvent und jeder Studienabsolvent am Tag des Abschlusses auf das Gewerbeamt gehen darf und dort zumindest ein Teilgewerbe anmelden darf. Und das ohne jemals etwas über Stieren oder auch nur den Inhalt einer Rechnung gelernt zu haben. Danke an die Bundespolitik für dieses Bildungssystem!

 

3.   Teilgewerbe: Auch wenn ich nicht über die entsprechende Ausbildung verfügen sollte, kann ich mit entsprechender Praxis ein Teilgewerbe anmelden. Zum Beispiel jenes des „Baugewerbetreibenden“ dann darf ich nur auf Rechnung eines Baumeister in Sub bzw. für Privatpersonen die Aufträge vergeben für welche keine Einreichung erforderlich ist, arbeiten. Natürlich wird das nicht so gehandhabt. Diese Gewerbe werden von den Ämtern an Menschen mit österreichischen Namen und Aussehen relativ leicht vergeben, nicht aber an ausländisch anmutende Personen wie ich feststellen durfte. Gut in Wien hat sich das auch schon geändert. Die fuhrwerken dann herum und machen die Marktpreise kaputt. Auch hier sollte es zu einem Umdenken und durchaus genaueren Kontrollen aber auch zu Informationen an die Behörden kommen, wer mit welcher Konzession was machen darf und was nicht. Denn noch hat es Gründe warum das so ist.

 

4.   Erneuerung der Gewerbeordnung: Ich selbst sitze in der Innung Bau im Burgenland und bin somit sicherlich selbst zeitweise mit Schauklappen unterwegs. So war auch ich im Jahr 2016 gegen die Novellierung der Gewerbeordnung, die viele reglementierte also Gewerbe für welche man ein Meister- oder Befähigungsprüfung brauchte, abschaffen und frei ohne Ausbildung zugänglich machen wollte. Aber in Wirrheit, ist das etwas, dass in der Vergangenheit betreffend der Baumeister schon mehrfach thematisiert wurde.

 

Früher durften nicht nur Baumeister ausführen, sondern auch Ziviltechniker wenn sie ein Einzelunternehmen gegründet haben.

 

Früher durften Baumeister zwar einen Plan zeichnen mussten diesen aber von einem Architekten abstempeln und begutachten lassen.

 

Das hat sich durchaus verändert in den Jahren. Durch eine starke Interessensvertretung der Baumeister kam es zu diesem umfangreichen Portfolio an zulässigen Leistungen. Bedenkt man, dass ein Architekt 5 Jahre studieren muss und ein Bauphysiker ebenso ganz zu schweigen von einem Statiker und der Baumeister darf das alles nach abgelegter Prüfung. Im Gegensatz zum Studienabsolventen, der nur in seiner Fachrichtung tätig sein darf und nach dem Studium auch noch die Ziviltechnikerprüfung benötigt.

 

Und dann gibt es da noch die technischen Büros. Ein Gewerbezweig der der WKO nicht unbekannt ist. Im Bereich Hochbau sicherlich selten da die meisten Behörden der Meinung sind, dass es so etwas im Hochbau nicht gibt. Jedoch in vielen Bereichen wie dem Maschinenbau und der Elektrotechnik seit Jahrzenten Usus sind. Warum also nicht auch im Hochbau? Man könnte hier einen Zwischenschritt schaffen, der es Personen mit abgelegter Ausbildung und abgelegter Prüfung zum technischen Büro ermöglicht z.B. Planungsleitungen zu erbringen. Eventuell eingeschränkt wie beim Maurermeister auf Bauten bis 2 oberirdische Geschosse oder so. Aber da ist die Lobby wieder zu stark. Möglich ist es übrigens ohne jegliche Ausbildung, ein Bauzeichenbüro zu eröffnen. Per Definition ist es dann nur erlaubt für Baumeiter und Architekten auf Anweisung und unter der Aufsicht zu planen. Die Realität sieht etwas anders aus. Diese Firmen zeichnen für Privatkunden und lassen sich die Pläne gegen Entgelt von Baumeistern oder Architekten abstempeln. Ich bin der Ansicht, dass dieser Weg in die falsche Richtung geht.

 

Am gefährlichsten sind aber jene Baumeister, die ihr Gewerbe, und damit meine ich das volle Gewerbe, durch eine individuelle Befähigung erlangt haben. Das ist verboten und eigentlich gar nicht möglich. Dennoch irren so einige in Österreich herum. Die nennen sich dann Baumeister, planen und nehmen Statiken ab, aber haben keine Ahnung was sie tun. Auch hier, besonders wenn das schon lange geht müssen neue Wege gefunden werden, diesen Personen den Zugang zum Gewerbe, wenn sie mal erwischt werden, einfacher zu ermöglichen.

 

Unser System krankt also sehr. Das liegt an oben genannten Punkten aber auch an der zunehmenden Digitalisierung und an den EU die mit Reformen ja nur so um sich schmeißt die die Mitgliedsstatten dann umsetzen müssen.

 

Glauben Sie wirklich, dass ein 55 Jahre alter Baumeister der bis dato sein Hauptgeschäft am Stammtisch im Wirtshaus mit den Bürgern seiner Heimatgemeinde gemacht hat und mit drei bis fünf Mitarbeitern diese Auftragslage bewältigen konnte in Zukunft noch bestehen kann? Wie soll so eine „Quetschn“ gegen die großen Konzerne bestehen oder gegen die gut gehenden großen Baumeister?

 

Der im privaten Sektor geht in zwei Richtungen. Erstens Preis und zweitens digitale Präsenz. Ein kleiner Baumeister hat wenig Zentralregie und kann die Preise somit niedrig halten. Weiter hat er die Möglichkeit im Internet sein Auftreten zu verfeinern. Denn der private Kunde schaut im Internet nach. Er achtet auf Bewertungen und auf Referenzen. Kann dies, und bitte nicht statisch, sondern unbedingt dynamisch, im Netz gefunden werden, hat der kleine Baumeister schon gewonnen. Geht er nicht mit der Zeit hat er bereits verloren. Bei kleinen Projekten schaut auch der Gesetzgeber nicht so sehr mit Argusaugen auf die Firma. Abweichungen im Bereich des BauKG oder des Gerüstbaues werden übersehen was wiederum Kosten einspart. Bitte ich möchte damit nicht sagen, dass man das so machen soll.

 

Übrigens auch die WKO hat auf den Druck der Mitglieder sowie der EU und natürlich dem Damoklesschwert „Novelle der Gewerbeordnung“ reagiert und 2017 angekündigt bis 1.1.2019 die Beiträge um 15% zu senken. Eigentlich auch wieder nur Augenauswischerei, bedenkt man, dass die EU Zwangsgebühren per Definition in den Mitgliedsländern verboten hat. Aber natürlich freu ich mich darüber.

 

Als Resümee kann ich nur sagen, dass eine Novellierung sicherlich früher oder später notwendig sein wird. Erben werden von Tag zu Tag dümmer gemacht durch TV, Internet und vor allem das staatliche Bildungssystem. Dann noch die Flut an schlecht gebildeten Migranten. So ist es nur möglich bekannte und bewehrte Strukturen aufzubrechen und die Teilgewerbe zumindest zu fördern. Sonst werden uns bald die Unternehmer ausgehen. Wenn jemand geistig in der Lage ist soll er auch weiterhin die Möglichkeit haben das komplette Gewerbe zu bekommen aber eben nur mit geistiger Eignung und entsprechender Ausbildung. Der Weg geht eindeutig dort hin. In Oberwart wurde das Gewerbe „technisches Büro für Hochbau“ vergeben mit dem man planen darf, fällt es einer Person in die Hände die das Teilgewerbe „Baugewerbetreibender“ bereits hat darf diese Person bereits nahezu alles was ein Baumeister darf.

 

Mir ist bewusst, dass viel Baumeister, vor allem älteren Semester dies noch nicht verstehen und meine Meinung vom Grunde her ablehnen aber es ist die Zukunft und zwar die Zukunft die wir uns selbst hausgemacht haben. Auch wenn die Generationen vor mir dies nicht wahr haben wollen, meine Generation und jene dir mir nachfolgen müssen mit dieser neuen Thematik umgehen lernen.

 

Denken Sie wirklich die EU reglementiert uns mit über 1000 Gesetzen im Jahr zu Tode weil sie so lustig ist und uns schaden will? Ja tut sie. Denn so wie es bisher in einem souveränen Staat war mit dem Gewerbe ist es in einer EU nicht mehr möglich. Und mit EU meine ich hier nicht die Staatengemeinschaft der EU sondern die digitale Welt! Völlig egal ob wir einen Euro haben oder nicht. Durch das vorhandene Reglement werden die Konzerne gestärkt und der gewerbliche Mittelstand ausgerottet. Das damit auch der bürgerliche Mittelstand zur Unterschicht wird ist ein anderes Thema. Neben den Konzernen werden nur noch die Besten bestehen können. Jene Unternehmen die mit der Zeit gehen, die sich an die rasant voranschreitende Digitalisierung anpassen. deren Internetauftritt sich nicht auf eine starre Homepage beschränkt, sondern die mit interaktiven Mitteln an Kunden herantreten. Facebook genügt schon lang nicht mehr. Twitter, Instagram und im Idealfall ein Blog sind unumgänglich. Ich selbst habe das deutlich unterschätzt, eventuell auch auf Grund meines Alters, aber jeder Beitrag den ich poste erreicht mindestens 400 Personen. Potentielle Kunden! Und ja ich merke es. Ständig kommen Onlineanfragen und telefonische Anfragen aus dem Internet. Noch nie war es so leicht so viel Menschen mit Produkt- und Dienstleistungsvorschlägen zu erreichen. Warum nicht nutzen? Jene Baumeister die diese Thematiken erkennen, können und werden am Markt bestehen während alle anderen untergehen. Ich kenne genug Baufirmen die mit Gewinnspannen von 2 % kalkulieren und sich beschweren, dass nichts übrig bleibt. Die haben dann 2 Lastwagen 4 Bagger und 80 Leute beschäftigt. Die Homepage dieser Unternehmen ist starr und oft seit Jahren außer Betrieb oder nicht gewartet worden. Das sind dann genau die Firmen über deren Kontaktformular tausende Spammails geschickt werden. Mit schrumpfenden Gewinnen sinkt auch die Bonität und das Kompensieren von Fehlern und Ausfällen wird schwieriger. Arm dran sind dann die Mitarbeiter und die Kunden, wenn so ein Unternehmen den Bach runtergeht.

 

Zusammengefasst sei gesagt, es gibt nur zwei Möglichkeiten:

 

a.   Anpassen und schauen, dass man Up to Date ist und oben schwimmen oder

 

b.   Ein Konzern werden.

 

 

 

Eventuell konnte ich so einige Leser fesseln aber auch so einige Kollegen in ihrer Denkweise erschüttern. Da sie auf meinem Blog sind, haben sie die Möglichkeit sich selbst ein Bild von der Digitalisierung zumachen. Besuchen sie mich doch auf Twitter, Facebook und Instagram und werden sie am Blog sowie auf genannten Medien Follower. Dann sehen sie gleich wie aktiv ich meine Medien halte. Übrigens der Aufwand ist minimal sobald man weiß wie. Nur aller Anfang ist schwer.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihre DI Robert Peterlik GmbH

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0
Hier klicken um anzurufen


DI Robert Peterlik GmbH   

7201 Neudörfl, Hauptstrasse 18

Tel./Fax: +43 2622 77325 | office@perodast.at

FB: www.facebook.com/baumeister.peterlik  | Twitter: @RobertPeterlik  | Skype: r.peterlik | Instagram: robert_peterlik 

Ältere Blogbeiträge können Sie auf FB nachlesen oder auf Amazon sowie im Shop als E-Book bestellen.


So findet man uns


Jetzt neu! Das Buch zum Nachlesen

Was Sie als Bauherr wissen sollten!

Die gesammelten Werke 2016

des Blog von Baumeister Peterlik

Die gesammelten Werke 2017

des Blog von Baumeister Peterlik