Bauteilaktivierung

 

Unter der thermischen Bauteilaktivierung (auch Baukernaktivierung oder Betonkernaktivierung) versteht man im Grunde nichts anders als eine Erweiterung des Begriffs der speicherwirksamen Masse.

 

Speicherwirksame Masse: Schwere Baustoffe wie Beton, Ziegel aber auch Estrich besitzen eine sogenannte speicherwirksame Masse. Werden diese Baustoffe durch eine konventionelle Heizung erwärmt, speichern Sie die Wärme und geben Sie anschließend wieder an den Raum ab, auch wenn das Heizmedium bereits wieder aufgehört hat Wärme abzugeben. Dazu ist es natürlich erforderlich, dass der Baustoff nach außen entsprechend gedämmt ist und die gespeicherte Wärme nicht an die Außenluft abgegeben wird. Wichtig ist die Dämmung auch im Bezug auf die sommerliche Überwärmung. Ist ein Gebäude ungedämmt, nimmt der Baustoff im Sommer auch die Sonnenwärme auf und gibt diese auch nachts, wenn die Sonne bereits untergangen ist, an den Raum ab. Was ein kontraproduktives Verhalten darstellt und viel Energie zum Gegensteuern bedarf. Bauphysikalische Wissen in Bezug auf Transmissionswärmeverlust, Heizwärmebedarf, Taupunktberechnung, etc. sind unumgänglich um entsprechend planen und berechnen zu können.

 

Baukernaktivierung: Oben genanntes wird hier perfektioniert und mechanisch erweitert. Im Grunde vergleichbar mit einer Fußbodenheizung. In Wände, Decken und Böden werden Kunststoffleitungen eingezogen die im Sommer mit 18°C kaltem Wasser  und im Winter mit 28°C warmen Wasser geflutet werden. Die speicherwirksame Masse nimmt diese Temperatur an und gibt sie wieder an den Raum ab. Sonderlich hohe Temperaturdeltas sind nicht erforderlich, da auf Grund der großen Flächen mit sehr geringen Differenzen gearbeitet werden kann. Somit ist allerdings kaum Regulierungsaufwand erforderlich!  Nachteilig wirkt sich dies natürlich auf die Energiekosten aus. Denn neben einem entsprechenden Medium welches sowohl Wärme als auch Kälte erzeugen kann ist auch eine Zirkulationsleitung mit Pupe erforderlich welcher Strom benötigt.

 

Natürliche Art und Weise: Das Prinzip ist im Grunde nicht neu. Mit Fußbodenheizungen, teilweise Wandheizungen aber auch Klimadecken und natürlich entsprechender konventioneller Dämmung wurde dies auch in der Vergangenheit bereits vielfach angewandt. Nur der Begriff ist also neu. Fakt ist jedoch, dass sich die Messungen und die Berechnungsmodelle verändert haben. Der Einsatz geht nun gezielter und somit auch energieeffektiver von statten. Fakt ist jedoch, dass man viele Massivbauten relativ einfach nachrüsten kann. Erforderlich ist neben schweren Baustoffen (Ziegel, Beton, Estrich, Stein, etc.) natürlich eine entsprechende Wärmedämmung. Gerne beraten wir Sie diesbezüglich über  erforderliche Adaptierungen und Erweiterungen. Diese beiden Grundvoraussetzungen sind bei den meisten Bauten bereits im Zuge einer thermischen Sanierung nachgerüstet worden. Ist nun auch noch eine Fußbodenheizung vorhanden ist die Basis bereits zu 100% gegeben. Nun ist nur noch eine Wärmepumpe erforderlich, die sowohl heizen als auch kühlen kann. Schon können Sie Ihre Massivdecke bzw. den Estrich zur Bauteilaktivierung verwenden.

 

Energiebedarf: Ein ausschlaggebender Aspekt ist natürlich der Energiebedarf. Verfügt man nicht über eine Wärmepumpe, die auf den sogenannten HWB (Heizwärmebedarf) ausgelegt ist, sprich ein entsprechend gedämmtes Massivhaus ist diese Art des Heizens sinnlos. Der Energiebedarf steht nicht dafür. Auch hierfür gibt es Berechnungsprogramme die Ihnen einen Überblick über Sinn und Sinnhaftigkeit vermitteln können. Gerne führen wir solche Berechnungen für Sie durch. Ideal in so einem Fall ist es natürlich, wenn Sie nicht nur eine Luftwärmepumpe als Heizmedium in ihrer Liegenschaft haben sondern eine zusätzliche Tiefenbohrung, die auf Grundwasser und /oder Erdwärme Zugriff hat. Dies vermindert die Energiekosten beträchtlich. Immer vorhanden ist jedoch der Energiebedarf für die Zirkulationspumpe, diese ist immer erforderlich.

 

Kontrollierte Wohnraumlüftung: Eine Möglichkeit Wärme im Haus zu verteilen. Hier scheiden sich die Geister. Die Rede ist von Bazillenschleuder, über trockene Luft bis hin zu Energiefresser. Ich möchte auf diese Thema hier jedoch nicht weiter eingehen, da es den Rahmen sprengen würde. Fakt ist, dass eine gut eingestellte Lüftung, die Baukernaktivierung verstärken kann. Sie transportiert Luft in den Räumen umher und fungiert so als zusätzliche Fläche aber auch als Transportmedium.

 

Leichtbau: Darunter versteht man Holzriegelbauten, Fertigteilhäuser aber auch Containerbauten und teilwiese Fachwerke. Dieser Abschnitt gestaltete sich sehr kurz. Diese Bauten haben keine oder nur eine sehr geringen speicherwirksame Masse. Somit ist es nicht möglich.

 

Wärmedämmung: In der Vergangenheit sind die Dämmstärken massiv gewachsen. Von Thermoputzen auf bis zu 48 cm EPS. Sinnvoll ist dies übrigens nicht. Mehr Dämmung bedeutet nicht automatisch weniger Transmissionswärmeverlust. Bauphysikalisch sollte man sich im Zuge der Energieausweisgestaltung genau ansehen was sinnvoll ist.

 

Ich persönlich bin der Ansicht, dass Ziegelbauten bei Außenwänden mindestens 25 cm Ziegel und mindestens 12 cm Dämmung haben sollten. Die Dämmstärke ändert sich nicht mit einem höheren Ziegeldicken. Ob 30 cm Ziegel bei entsprechender Dämmung noch sinnvoll sind wage ich zu bezweifeln. Aber schaden kann ein dicker Ziegel nie! Wichtig wäre auch, dass im Inneren des Gebäudes nicht gespart wird. Massive Zwischenwände mit 10 – 12 cm DÜWA Steinen und beidseitigem Putz speichern Wärme und geben diese auch wieder ab. Gipskartonwände tun dies nur sehr beschränkt.

 

Im Grunde muss jeder selbst entscheiden ob er sich für ein derartiges System entscheidet. Bei Neubauten kann ich auf jeden Fall dazu raten. Bei Sanierungen und Adaptierungen empfehle ich einen Baumeister oder Bauphysiker, mit der Berechnung zu beauftragen. Bauphysiker können theoretische Berechnungen meist gut durchführen, aber oftmals fehlt es n Praxis. Gehen Sie dort hin wo Sie sich wohl fühlen. Nehmen Sie die paar Hundert Euro in die Hand, denn in den meisten Fällen haben sie diese bereits nach der ersten Heizperiode wieder in der Tasche.

 

Wir beraten Sie gern, führen diese Berechnungen für sie durch und planen und bauen auch gern Ihr Haus.

 

Weiterführende Literatur finden Sie weiter unten.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

DI Robert Peterlik GmbH

 

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